Geschichte des Frauenvereins

Rückblick auf

die ersten 50 Jahre des Gemeinnützigen Frauenverein

Ein Jubiläum ist die Gelegenheit zum Rückschau halten. Bei der Durchsicht der Jahres-berichte wurde wieder bewusst, wie viel im letzten halben Jahrhundert von unseren Vorgängerinnen und auch von denheutigen Vereinsfrauen geleistet worden ist. Angefangen hat eigentlich alles schon viel früher. Schon ab dem Jahre 1919 hat sich eine Gruppe von Frauen zusammengetan, um für bedürftige Kinder der ref. Schule und Krippe zu nähen und zu stricken. Sie nannten sich das „Ref. Frauencomité“. Ihr Ziel war es diesen Kindern an Weihnachten ein Päckli mit etwas Praktischem wie warmen Pullovern, Socken, Mützen, Handschuhen, Schürzen oderUnterwäsche überreichen zu können. Zu jener Zeit gab es noch viele arme Leute in der Stadt Freiburg und Umgebung. Es ging jahrzehntelang so weiter bis in den 1960er-Jahren die Idee entstand, man könnte doch zusammen einen Frauenverein gründen. Zu jener Zeit war in der Deutschschweiz die Tradition der Frauenvereine in fast jedem grösseren Ort weit verbreitet. Hier in Freiburg war Frau Marie Häusler-Helbling treibende Kraft. Sie konnte die Frauen begeistern und war dann während sechs Jahren die erste Präsidentin. Eine erste Mitgliederversammlung fand im Juni 1967 statt und die erste Hauptversammlung war am 29. März 1968. Frau Häusler muss eine schier unerschöpfliche Energie gehabt haben und jede Menge Ideen, die sie realisieren wollte. Schon im ersten Jahr wurde die Brockenstube eröffnet und der erste Adventsverkauf durchgeführt. Es mussten ja Möglichkeiten zur Geldbeschaffung geschaffen werden. Nur so konnte, wo nötig, geholfen werden. Auch schon im ersten Jahr hat sie die Aufnahme der Sektion Freiburg in den Dachverband SGF (Schweizerische Gemeinnützige Frauen) beantragt, welche dann an der Jahresversammlung vom 7. Mai 1968 in Interlaken offiziell erfolgt ist. Es folgt jetzt eine Darstellung der verschiedenen Aktivitäten, die in den letzten 50 Jahren länger oder kürzer durchgeführt wurden. Als erstes wie schon erwähnt die

Brockenstube

Schon ein Jahr nach der Gründung des Vereins, im Juli 1968 wurde sie am Augustinerplatz 2 in dem schönen Patrizierhaus eröffnet. Als Frau des Besitzers der Firma Cafag/Papro hatte Frau Häusler gute Beziehungen zur Gemeinde Freiburg und konnte so bewirken, dass wir zwei grosse Räume im Hochparterre kostenlos benutzen durften. Die Brockenstube entwickelte sich rasch sehr gut und entsprach einem reellen Bedürfnis. Hier ein Auszug aus dem ersten Jahresbericht 1968 von Frau Häusler: „Durch Zufall durften wir am Augustinerplatz 2 ein passendes Lokal beziehen. Dort herrscht seit dem Monat Juli 1968 jeden Freitagnachmittag ein reger Betrieb. Gebrauchte, aber noch brauchbare Kleider und Hausrat aller Art werden ab 2 Uhr bis abends spät angenommen und zu niedrigsten Preisen abgegeben. Unsere geschäftstüchtige Leiterin, Frau Klopfstein ist sehr umgänglich und beliebt. Sie findet für Kleider und Schuhe, für Kochherd und Kaffeemaschine, sogar für Heizöfeli samt Brennmaterial dankbare Kunden. Und bereits ist es in Freiburgs Altstadt bekannt, dass sich neben der Augustinerkirche eine wahre Fundgrube der „Sociéte d’utilité publique des femmes suisses“ befindet. Möge diesem lohnenden Dienst weiterhin ein voller Erfolg beschieden sein!“ Ende Zitat. Die Brockenstube lief dank einsatzbereiter Frauen manches Jahr sehr gut mit einem Höhepunkt der Einnahmen im Jahr 1983 von 15‘800 Franken. Danach gingen die Umsätze langsam zurück bis dann Anfang der 90er Jahre immer mehr Konkurrenz entstand, die mehr Platz zur Verfügung hatte und besser erreichbar war. Als wir Anfang 1996 einen der Räume abgeben mussten, war ein Weiterführen der Brockenstube nicht mehr lohnend und sie musste geschlossen werden. Den verbleibenden Raum wollten wir aber unbedingt weiterhin nutzen. Glücklicherweise hatte unsere ehemalige Vorstandsfrau, Romy Schuwey, eine wunderbare Idee. Daraus wurde dann die

Wollen-Stube

Das Prinzip war das gleiche wie die Brockenstube, jedoch keinen Hausrat oder Möbel, sondern Wolle, Stoffe, Strickwaren, Mercerie und alles was zum textilen Basteln gehört. Mit Inseraten bekamen wir aus der ganzen Schweiz Material zugeschickt, so dass sich der Raum sehr bald füllte. Im Dezember 1996 konnte die Wollen-Stube eröffnet werden. Zwanzig Jahre brachte sie uns willkommene Einnahmen, leider auch hier in den letzten Jahren immer weniger. Im Dezember 2015 hat uns die Stadt das Lokal gekündigt. Da aus verschiedenen Gründen ein Weitermachen nicht möglich war, begann im Oktober 2016 die Räumung und mit der Schlüsselübergabe Anfang Januar 2017 war auch das Kapitel Wollen-Stube nach 20 Jahren abgeschlossen.

Zum Adventsverkauf

Der erste Adventsverkauf fand Ende November 1968 statt, also auch schon im ersten Vereinsjahr. Der gesamte Ertrag von 7‘000 Franken wurde zu Gunsten des künftigen Kirchgemeindehauses gespendet. Von da an war der Adventsverkauf fester Bestandteil des Programms des Gemeinnützigen Frauenvereins Freiburg. Im Jahresbericht von 1970 ist das erste Mal die Rede von den Kranzflechterinnen. Die Herstellung der Adventskränze war zwar stets mit grossem Aufwand verbunden, sie waren jedoch all die Jahrzehnte der Verkaufshit. Unsere Besucher stürmten jeweils gleich nach der Eröffnung den Stand mit den Adventskränzen. Bis 1982 fanden die Adventsverkäufe unter der Ref. Kirche statt. Ab 1983 „zügelte“ der Adventsverkauf in das neue FOS-Schulhaus an der Av. Moléson, denn da hatte es endlich genügend Platz für neue Ideen. Erfreulich entwickelten sich die Einnahmen. In den Jahren 1997, 1998 und 2001 schafften wir es sogar über die 20‘000 Franken-Grenze! Es war immer ein Riesenkraftakt für alle Beteiligten. Um die Organisation zu erleichtern, verlegten die damaligen Vorstandsfrauen ab dem Jahre 2003 den Adventsverkauf wieder unter die Kirche. Dort waren inzwischen durch den Anbau mehre Räume entstanden und die Infrastruktur war vorhanden. Der grosse Nachteil war der Verlust des Kontaktes zur Schule. Mit den Jahren spürten wir dann immer deutlicher die Überalterung des Vereins. Immer mehr Frauen mussten ihre Mitarbeit aufgeben und somit hatten wir auchimmer weniger Stände mit der entsprechenden Auswirkung auf die Einnahmen. Im 2014 waren die Landfrauen, die unseren Adventsverkauf seit Jahrzehnten mit ihren Broten und Zöpfen bereicherten, das letzte Mal dabei, weil auch sie sich gezwungen sahen, ihren Verein aufzulösen. Schlussendlich mussten wir feststellen, dass nicht nur unsere Frauen, sondern auch unsere Kundschaft älter geworden war und nicht mehr kam. Der grosse Aufwand lohnte sich nicht mehr. 2015 führten wir den letzten Adventsverkauf durch.

Betagtenhilfe

Im Jahre 1977 gelangte Heidi Müller, die damalige Kirchgemeindeschwester, mit der Idee und Bitte an den Frauenverein, doch eine Betagtenhilfe aufzubauen. Zuerst etwas harzig aber mit den Jahren immer erfolgreicher wurde dieser Dienst an den Betagten und Kranken ausgeführt. Jedes Jahr stieg der Bedarf und damit die Anzahl der Pflegestunden. Somit wurde der Anteil der Kosten für den Frauenverein auch immer grösser und bereitete den Vorstandsfrauen Sorgen. Die Einnahmen von Brockenstube und Adventsverkauf reichten nicht mehr, um die steigenden Kosten zu decken. Die Lösung kam dann ab 1983 vom Bundesamt für Sozialversicherungen, das positiv auf die Anfrage vom Frauenverein reagierte und seitdem und sogar rückwirkend einen namhaften Teil der Kosten übernahm. Die Erfolgsgeschichte endete mit der Einführung des neuen KVG ab Anfang 1996 und der damit verbundenen Neustrukturierung der öffentlichen Spitex-Dienste. Eine Versuchsphase ohne Kostenübernahme der Krankenkassen hatte leider keinen Erfolg und so mussten wir diese Dienstleistung Anfang 1999 beenden.

Die Senioren-Ausflüge

Im Jahre 1970 begann die Tradition der Senioren-Ausflüge, die wir nach wie vor weiterführen. Anfangs wurden sie halbtägig durchgeführt mit einem Imbiss am Zielort. Ab 1981 wurde der Senioren-Ausflug abwechslungsweise mit der Kirchgemeinde organisiert, also nur noch jedes 2. Jahr vom Frauenverein geplant, begleitet und zum grossen Teil finanziert. Ab 1992 wurden sie mit dem Vereinsausflug zusammengelegt und ganztägig durchgeführt.

Die Spielnachmittage

Begonnen haben die Spielnachmittage für Senioren im Jahre 1976. Glücklicherweise hatten und haben wir bis heute über all die Jahrzehnte immer Frauen gefunden, die bereit waren, die Betagten zu betreuen. Sie bereiteten jeden Mittwoch alles vor für einen geselligen Nachmittag mit viel Zeit für Gespräche, Spiel und einem Zvieri. In den Anfangsjahren hielt Schwester Heidi gleichzeitig in der Sakristei Sprechstunden ab und so konnten die Senioren das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden. Ab2014 mussten wir wegen fehlender Helferinnen reduzieren auf nur noch jeden 1. und 3. Mittwoch im Monat nach dem Mittagstisch der Kirchgemeinde.

Primeli-Verkäufe

Von 2007 bis 2014 führten wir jeweils im März einen Primeli-Verkauf auf dem Freiburger Samstag-Markt durch. Der Erlös war jeweils für eine Organisation bestimmt wie z.B. das Office familial, Lesen und Schreiben Deutschfreiburg oder das Tremplin. Zweites Ziel sollte Werbung für den Verein sein. Durch den Stand auf dem Markt hofften wir, auf uns aufmerksam zu machen und so neue Frauen zu finden. Diese Hoffnung hat sich jedoch nicht erfüllt.

Benimm-Kurse

Im Bestreben auch etwas für die Jugend zu tun, haben wir ab 2009 im Ganzen sechs Mal der Deutschen Orientierungs-Schule Freiburg Benimm-Kurse für die 2. Sekundar-Stufe finanziert. Dreimal engagierten wir externe Kursleiterinnen und dreimal hat unsere Vizepräsidentin, Sonja Hungerbühler den Schülern die Kurse erteilt. Es war erfreulich festzustellen, mit welchem Interesse Schüler-und Schülerinnen von jeweils 6 Klassen im Rahmen von Rollenspielen und Diskussionen das heute wiederum vermehrt gefragte gute Benehmen aktiv erprobten. Danach änderte die Schule das Konzept der Projektwoche und nahm neue Themen auf.Das waren die mehr oder weniger zentralen Aktivitäten, die im Verlauf der Jahre durchgeführt wurden. Es wurde immer wieder etwas Neues ausprobiert. Manche Tätigkeiten hatten ein paar Mal Erfolg bis ein neues Bedürfnis entstand. So mussten die Vorstandsfrauen immer am Puls der Zeit bleiben und spüren was gefragt war. Ziel waren immer die

Spenden

Während all der Jahrzehnte kamen unsere Spenden hauptsächlich den sozialen Organisationen der Stadt und Kanton Freiburg zu Gute. Die Einnahmen vom Adventsverkauf wurden jeweils an der folgenden Hauptversammlung mit der Genehmigung der Vergabungsliste verteilt. Als ich für einen Brief an die Stadt Freiburg eine Aufstellung der Spenden machte, bin ich für die letzten 25 Jahre auf einen Betrag von gut 413‘500 Franken gekommen! Zu dieser beeindruckenden Zahl kommen auch noch zahlreiche kleinere direkte Spenden. Ab und zu bekamen wir Anfragen vom Sozialdienst der Kirchgemeinde. Vor ein paar Jahren haben wir einer alleinerziehenden Frau geholfen, den Verdienstausfall während einer beruflichen Zusatzqualifikation zu überbrücken. In der Anfangszeit des Frauenvereins wurden immer wieder Spenden für Einrichtungsgegenstände für das damals neue Kirchgemeindehaus oder später für das Reformierte Zentrum in Charmey getätigt. Ebenfalls finanzierte der Frauenverein 1978 das Mobiliar für die neue Cafeteria im Daler-Spital. In neuerer Zeit spendeten wir einen Teil der Küchenausstattung für Banc public und Tremplin. Die Familie im Garten durfte von uns grössere Beträge für einen Lifteinbau und die Einrichtung derZimmer für die Wochenendaufenthalte entgegen nehmen. Zudem wurde für die Opfer der Naturkatastrophen in der Schweiz von 1987 und 2014 gespendet.

Ein Tätigkeitsprogramm

wurde all die Jahre von den Vorstandsfrauen für die Mitglieder geplant. Es wurden z.B.Ausflüge, Besichtigungen, Kurse, Theaterbesuche, Vorträge, Pick-Nicks uvm. durchgeführt. Wir wollten unseren Frauen und eventuellen Neumitgliedern gerne interessante Anlässe bieten als Dankeschön für ihre gemeinnützigen Einsätze für den Frauenverein.

Zu den Mitgliederzahlen

Es besteht keine durchgehende Statistik der Mitgliederzahlen. Gewachsen ist die Anzahl bis ins Jahr 2000 mit einer Spitze von 155 Mitgliedern. Seit dem ist der Mitgliederbestand leider rückläufig. Heute zahlen wir noch 91 Mitglieder.

Zum Vorstand

Was ist ein Verein ohne Vorstandsfrauen und Präsidentin? Am heutigen Tag wollen wir uns an all die Frauen erinnern, die mit ihrer Arbeit die Vereinstätigkeit erst möglich gemacht haben und danken ihnen im Namen der guten Sache sehr herzlich für ihren ehrenvollen Einsatz für den Frauenverein. Insgesamt hatte der Frauenverein 7 Präsidentinnen. Die 1. Präsidentin, Frau Marie Häusler ist leider inzwischen verstorben. Wir haben für den heutigen Tag alle ehemaligen Präsidentinnen eingeladen. 2 haben abgesagt, so sind heute mit mir 4 Präsidentinnen anwesend.

Präsidentinnen

  1. Präsidentin Marie Häusler-Helbling ab 1967
  2. Präsidentin Sylvia Blank ab 1973
  3. Präsidentin Margrit Sturzenegger ab 1984
  4. Präsidentin Ulla Oulevey ab 1993
  5. Präsidentin Ruth Behr ab 1997
  6. Präsidentin Irmgard Meyer ab 2000 ein
  7. 2. Mal Ulla Oulevey ab 2004 -2005
  8. Präsidentin Vreni Wolf ab 2006

Bis jetzt haben wir fast alles gehört, was den Gemeinnützigen Frauenverein Freiburg in den letzten 50 Jahren ausgemacht hat. Aber etwas ganz Wichtiges wurde noch nicht erwähnt. Von vielen Frauen, die leider zum grössten Teil schon verstorben sind, habe ich gehört, wie wichtig ihnen persönlich der Frauenverein gewesen ist. Das Leben hatte sie als junge Frauen in das welsche Freiburg verschlagen und sie hatten Mühe Anschluss zu finden. Und dann haben sie den Frauenverein entdeckt mit gleichgesinnten Frauen, die ebenfalls Deutsch sprachen. Diese wertvollen oft lebenslangen Freundschaften, die sie dank dem Frauenverein schliessen konnten, hatten ihnen sehr geholfen, sich hier in Freiburg heimisch zu fühlen.

Ausblick

Solange wir genügend Mitglieder und Geld haben bestehen und arbeiten wir ganz sicher weiter als Frauenverein. Ab heute ist unser neues Projekt „Verbleib zu Hause“ bereit zum Start. Ihr werdet anschliessend an unserer Hauptversammlung zusätzliches darüber erfahren. Ich bin gespannt, wie ihr es aufnehmen werdet und wie das Echo in der Öffentlichkeit sein wird. Wir sind eine Partnerschaft mit Pro Senectute Freiburg eingegangen, weil sie in professioneller Weise Vorabklärungen bei Situationen leisten kann, in denen Personen unsere Hilfeleistung benötigen. Was die weitere Zukunft betrifft, bin ich keine Hellseherin. Ein Weitermachen ohne Adventsverkauf und Wollen-Stube ist leider eine Tatsache geworden, die wir akzeptieren müssen. Wie viele Frauenvereine in der Schweiz kämpfen auch wir mit dem Problem des Mitgliederschwunds. Wir haben schon länger keine jüngeren Frauen mehr in unsere Mitgliederliste eintragen können. Aber wer weiss, vielleicht geschieht doch noch das Unerwartete und wir bekommen eines Tages Verstärkung mit Frauen, die etwas bewegen wollen. Das wäre mein grosser Wunsch für die Zukunft des Vereins.

Vreni Wolf, Februar 2017  

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